Fliegen im Winter

 

Obwohl wir in unseren Breitengraden zwar selten mit ausgeprägtem Winterwetter zu tun bekommen, gibt es doch ein paar Dinge, die beim Fliegen im Winter besondere Beachtung finden sollten. Hier wäre zu nennen:

1. Sonnenaufgang/Sonnenuntergang: Das Zeitfenster für mein Flugvorhaben ist erheblich kleiner

2. Platzöffnungszeiten: Viele Flugplätze sind in den Wintermonaten PPR oder es gibt andere Öffnungs- und Schlusszeiten

3. Wetter: Wenn wir nicht gerade einen stabilen Hochdruckkeil mit kontinentaler Kaltluft vorfinden, was ja oft gutes Flugwetter bedeutet, sollten wir dem PC Met eine noch größere Beachtung schenken, die weit über die Betrachtung des Gafor hinausgeht – hier zum Beispiel Temperatur und Taupunkt und deren Entwicklung, veränderte Luftmasse usw.

4. Flughandbuch: Sollten wir wegen nicht fliegbarem Wetter („ja, morgen soll es fliegbar werden!“) am Boden bleiben müssen, wirkt der Blick ins Flughandbuch für so manchen wahre Wunder! Besonders der Handhabung des Luftfahrzeuges, wenn es in der Woche stetig Minustemperaturen gegeben hat, und hier besonders der Motor, sollte besondere Beachtung geschenkt werden. So hat ein Vergaserbrand durch wildes Pumpen mit dem Gashebel (das ist eine Beschleunigerpumpe) schon so manches Flugvorhaben zunichte gemacht.

5. Rollen im Winter: Vor dem Rollen sollte sich der Pilot über die Beschaffenheit der Rollwege und der Flugbetriebsflächen informiert haben. Auf jeden Fall sollte man langsam und vor allem umsichtig rollen, Abstand zum vorausrollenden Flugzeug halten und auf eine schlechtere Bremswirkung gefasst sein.

6. Piste: Wie ist der Zustand der Start- und Landebahn? Habe ich eine vereiste Startbahn, habe ich mit einem dünnen Schneebelag oder Schneematsch zu tun? Habe ich bei diesem Zustand zusätzlich beim Start / bei der Landung mit Seitenwind zu tun?

7. Navigation: Eine schneebedeckte Landschaft birgt bei der Terrestrischen Navigation höhere Anforderungen, weil die Landfläche, bis auf Erhebungen, Strommasten und Windkraftwerke nahezu homogen wirkt. Es stellt höhere Anforderungen an den Piloten.

Sicher sind diese Zeilen nur ein recht grober Umriss dessen, was bei der Flugvorbereitung auszuführen ist. Es soll hier ein wenig der Denkanstoß sein, einfach mal wieder die Fachbücher sich anzuschauen und sich mit dem Flughandbuch auseinanderzusetzen. Für Rückfragen stehen die Fluglehrer der FIN (Flugschule im Norden) oder die Fluglehrer in den Vereinen mit Rat und Tat zur Verfügung.

Nun wünsche ich uns allen für den Rest der Wintersaison eine unfallfreie Zeit – und many happy landings.

Rainer Ahrens, Referat Flugsicherheit im Luftsportverband SH, Februar 2018

 

Hier geht es zu einer ausführlicheren Präsentation